Sonntag, 10. Dezember 2017

Elias Canetti - Welt im Kopf

So lebte er in einer Unzahl von Welten zugleich. An den Irrsinnigen wuchs er zu einem der umfassendsten Geister seiner Zeit heran. Er lernte von ihnen mehr als er ihnen gab.  Sie bereicherten ihn um ihre einmaligen Erlebnisse; er vereinfachte sie nur, indem er sie gesund machte.  Wieviel Geist und Schärfe fand er bei manchen!  Sie waren die einzigen wirklichen Persönlichkeiten, von vollendeter Einseitigkeit, wahre Charaktere, von einer Geradheit und Macht des Willens, um die sie Napoleon beneidet hätte. Er kannte sprühende Satiriker unter ihnen, begabter als alle Dichter; ihre Einfälle wurden nie zu Papier, sie kamen aus einem Herzen, das außerhalb der Dinge schlug, und fielen über sie her wie fremde Erorberer, Beutelüsterne sind die besten Wegweiser nach den Reichtümern dieser Welt. (Elias Canetti, Die Blendung, Ein Irrenhaus)

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