Donnerstag, 1. Dezember 2016

Existentialismus und Psychose



Wenn sich das Phänomen als „transzendent“ offenbaren soll, muß das Subjekt selbst die Erscheinung auf die totale Reihe transzendieren, von der sie ein Glied ist ...
Das Objekt verweist nicht auf das Sein wie auf eine Bedeutung: es wäre z.B. unmöglich, das Sein als eine „Anwesenheit“ zu definieren – da ja auch die „Abwesenheit“ das Sein enthüllt, da nicht „da“ sein ja immer noch sein ist. (Sartre, Das Sein und das Nichts, S.12/S.15)  

Hier ist einer der Haken in der psychotischen Wahrnehmung zu finden. Nach der Geburt bedeutet die Abwesenheit der Bezugspersonen für den Säugling zunächst, dass sie ihr Da-Sein aufgegeben haben. Dass die Eltern lediglich abwesend sind, nicht tot oder aus der Welt verschwunden, lernt ein Kind erst durch das wiederholte zuverlässige Auftauchen der Bezugspersonen nach ihrer Abwesenheit. Ist das Erscheinen der Bezugspersonen nicht bedürfnisgerecht (wenn der Säugling durch Schreien signalisiert, dass er etwas benötigt), unkontrolliert oder mit emotionaler/geistiger Abwesenheit, also ohne Kontaktaufnahme, verbunden, kann ein Säugling in Folge nicht lernen, dass es das Sein gibt, bzw. wie das Sein oder das Phänomen für andere aussieht, riecht, sich anhört oder anfühlt. Es  entwickelt sich in Folge zu etwas Zweifelhaftem, seine Existenz wird in Frage gestellt, so reift das Sein zu etwas Veränderbarem heran, da es auf keine totale Reihe transzendiert werden kann, es kann übersehen, geleugnet oder neu erfunden werden (Wahn, Halluzinationen).

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